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Chao Colombia, que te vaya bien – Abschlussbericht

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Am 14. August 2014 bin ich voller Vorfreude und Erwartungen in Kolumbien angekommen. In der Anfangszeit habe ich mich vor allem überwältigt gefühlt von all den neuen Eindrücken, Personen, Orten und der fremden Sprache, die ich kennen lernte.

Wenn ich jetzt, ein Jahr später, an meine Ankunft zurückdenke, dann fühlt es sich ähnlich an, wie wenn man als Abiturient an den ersten Schultag in der fünften Klasse zurückblickt. Verunsichert, ein wenig naiv und mit großen Augen steht man am Anfang von etwas Neuem. Doch schnell macht man sich diesen neuen Lebensabschnitt durch Neugierde und Tatendrang zu eigen und wenn man dann, so wie ich heute an meinem Abflugstag, auf die Zeit zurückblickt, fühlt man sich unglaublich bereichert.

Heute am Dienstag, den 11.08.2015, um 20.55 Uhr kolumbianischer Zeit (3:55 Uhr in Deutschland) geht mein Rückflug von Bogotá nach Frankfurt. Zwar steht im September noch ein Abschlussseminar an, doch das richtige Ende meines Auslandsjahres ist heute. Die letzten Wochen begleiteten mich sehr gemischte Gefühle. Auf der einen Seite tut es weh, Abschied zu nehmen hier in Kolumbien. Ich bin sicher, dass ich eines Tages für eine kürzere oder längere Zeit nach Kolumbien zurückkehren werde, doch mein „kolumbianisches Leben“ mit Freiwilligenarbeit und Gastfamilie, das endet heute unwiederruflich. Auf der anderen Seite fühle ich, dass es nach einem ganzen Jahr auch Zeit ist, wieder nach Hause zu kehren. Ich freue mich auf meine Familie, Freunde, mein Zuhause, das Essen, den Sommer, auf den neuen Lebensabschnitt, …

Dieses ist mein letzter Blogeintrag aus Kolumbien und zu diesem Anlass könnt ihr im Folgenden nun meinen Abschlussbericht lesen, den ich als Teil des weltwärts-Programmes geschrieben habe.

Überblick

Ein bisschen ist es so, als hätte ich mich gestern erst am Flughafen in Frankfurt von meiner Familie verabschiedet. Ein bisschen ist es aber auch so, als ob ich schon viele Jahre in Kolumbien lebe – gemessen an der großen Anzahl der Erfahrungen und Reisen, die ich in den vergangen zwölf Monaten gemacht habe.

Nachdem ich mich nach den ersten sechs Monaten schon ganz gut eingelebt hatte, kamen in der zweiten Hälfte meines Freiwilligendienstes einige Veränderungen auf mich zu, denn im Februar hatte ich sowohl Projekt als auch Gastfamilie gewechselt.

Meine drei Projekte

Mit meinem ursprünglichen Projekt an der Universidad Nacional war ich zwar nicht direkt unzufrieden, allerdings hatte ich das Gefühl die Erfahrung sozialer Arbeit zu verpassen, da meine Aufgaben ausschließlich in Büroarbeit lagen. Statt einem bekam ich gleich zwei neue Projekte. Drei Tage in der Woche war ich im Hogar de Encuentro einem staatlich finanzierten Projekt der Organisation ACJ, das gefährdete Kinder und Jugendliche vor oder nach der Schule betreut. Neben einem warmen Mittagessen, einem Snack und Hausaufgabenhilfe werden den Kindern und Jugendlichen Aktivitäten zur Persönlichkeitsbildung, Drogenprävention, etc. geboten. Die anderen zwei Tage der Woche habe ich in dem privaten Kindergarten Formamos personitas verbracht. Insgesamt war ich mit dem Projektwechsel sehr zufrieden, da ich so in sehr unterschiedliche Projekte und Tätigkeitsbereiche Einblick erhalten habe.

In meinem Projekt an der Universidad Nacional habe ich im Büro am Computer gearbeitet und kleine und größere Zuarbeiten für die Angestellten erledigt. Wenn es ab und zu Veranstaltungen für die StudentInnen gab, habe ich diese begleitet und zweimal selbst einen Vortrag gehalten. Ich denke, dass die Aufgabenbereiche von zukünftigen Freiwilligen ähnlich aussehen würden. Es gibt durchaus ein Ambiente, in dem eigene Ideen und Projekte diskutiert und verwirklicht werden können, ich selbst habe aber neben den bereits durchgeführten Angeboten für die StudentInnen keine weiteren Notwendigkeiten gesehen. Mit der Arbeit im Team habe ich an der Universidad Nacional gute Erfahrungen gemacht und so konnte ich, besonders nach der Einarbeitsungsphase und sobald sich meine Spanischkenntnisse verbessert hatten, mich gut in die Vorbereitung des ersten Semesters 2015 einbringen. Durch meine Mitarbeit habe ich so bewirkt, dass die Angestellten entlastet wurden.

Im Hogar de Encuentro bestanden meine Aufgaben vor allem aus der Mitarbeit in der Küche, aber auch aus Hausaufgabenhilfe und kleineren Bürotätigkeiten. Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit die PädagogInnen direkt in ihrer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen zu unterstützen oder eigene Aktivitäten mit ihnen durchzuführen, allerdings habe ich den Tagesablauf als sehr eng getaktet und durchgeplant wahrgenommen, sodass ich nicht wüsste, wann Zeit ist, um eigene Ideen zu verwirklichen. Zudem planen die PädagogInnen ihre Aktivitäten selbst schon so gut, dass lediglich kleine logistische Hilfen notwendig sind. In der Küche hingegen wurde meine Hilfe wirklich gebraucht. Regelmäßig habe ich den Fruchtsaft und Salate für das Mittagessen zubereitet. Außerdem habe ich mich jeden Donnerstag, wenn der Einkauf geliefert wird, darum gekümmert, die Lieferung anzunehmen, die Waren zu kennzeichnen und im Vorratsraum in die Regale einzusortieren. Diese Aufgaben habe ich in der Regel alleine erledigt. Zur Essenszeit war jedoch Teamarbeit gefragt, um das Essen schnell an alle Kinder und Jugendliche zu servieren. Dabei habe ich stets gute Erfahrungen gemacht und mit den KollegInnen Hand in Hand zusammen gearbeitet. Ein Aspekt, den ich jedoch als störend empfunden habe, ist, dass aus meiner Sicht leicht lösbare Probleme von meinen Kolleginnen aus der Küche nicht gelöst, sondern sich nur darüber beklagt wurde. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass dieses Verhalten auch auf die projektinnere Hierarchie und den daraus resultierenden Respekt / bzw. Angst vor der Chefin zurückzuführen ist. Insgesamt war die Arbeit im Hogar de Encuentro jedoch eine sehr positive Erfahrung. Ich konnte die Küchenfrauen entlasten und ab und zu auch Kindern bei den Hausaufgaben weiterhelfen. Zudem konnte ich meine Kreativität beim Gestalten eines großen Geburtstagskalenders einbringen. Mir wurde für meine Hilfe große Dankbarkeit entgegengebracht und ich habe gelernt, wie positiv regelmäßiges Bedanken die Motivation und Arbeitsatmosphäre beeinflusst.

Im Kindergarten habe ich neben der Unterstützung des normalen Tagesablaufs Englischunterricht für die Kinder im Alter von 2-5 Jahren gegeben. Die Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen hat dabei gut funktioniert. Für die Englischstunden wurde mir jeweils vorher das Thema der Stunde gesagt, sodass ich den Unterricht selbstständig planen konnte. Außerhalb des Unterrichts konnte ich den Erzieherinnen gut unter die Arme greifen, sodass sie zwischendurch kurz verschnaufen konnten und sei es nur um selbst auf Toilette zu gehen. Ich hatte immer das Gefühl, dass mir viel zugetraut und viel Vertrauen entgegen gebracht wird.

Insgesamt ist wohl das Wichtigste, das ich während meines Freiwilligendienstes bewirken konnte, die Entlastung der Fachkräfte in den jeweiligen Projekten. Ich denke, dass ich damit meine Funktion als Freiwillige gut genutzt habe.

Gastfamilie und Integration

Durch einen Umzug meiner Gastfamilie brauchte ich jeden Morgen bis zu zwei Stunden zum Projekt – ein Umstand, der mich auf die Dauer viele Nerven gekostet hat. Der Gastfamilienwechsel hat meinen Arbeitsweg und meine Verkehrsanbindung deutlich verbessert. So richtig zuhause und integriert gefühlt habe ich mich in der neuen Gastfamilie durch (gegenseitiges) Desinteresse allerdings nie. Mein Verhältnis zu der Familie glich eher dem einer Untermieterin. Einerseits hatte ich so meine Freiheiten, andererseits bedeutete das auch, dass ich, wenn ich zuhause war, immer alleine war. Zum Glück konnte ich den Kontakt und das gute Verhältnis zu meiner ersten Gastfamilie aufrechterhalten, sodass ich weiterhin eine Familie in Kolumbien hatte und habe.

Dank meiner ersten Gastfamilie, meinen KollegInnen der Uni und meinem Freund konnte ich mich gut in der kolumbianischen Kultur zurechtfinden. Ein großes soziales Umfeld mit vielen FreundInnen habe ich während dem Jahr nicht aufgebaut, dennoch fühle ich mich sozial ganz gut integriert. Besonders nach meinem Projektwechsel habe ich festgestellt, dass es durch meine zu diesem Zeitpunkt schon fortgeschrittenen Spanischkenntnisse einfacher war, Kontakte zu knüpfen und es sehr viel schneller ging als am Anfang eine Beziehung zu meinen KollegInnen aufzubauen.

Erwartungen und Realität

Oft habe ich auf die Frage nach meinen Erwartungen im Vorfeld des Freiwilligendienstes gesagt, dass ich gar keine konkreten Erwartungen habe. Im Nachhinein kann ich jedoch schon sagen, dass ich eine ganze Menge sehr konkreter Erwartungen hatte. Ich ging davon aus in einer Gastfamilie zu leben, in einem sozialen Projekt zu arbeiten, dabei Spanisch zu lernen, zu reisen und insgesamt ganz viele neue Erfahrungen zu machen. All dies ist auch so eingetroffen. Jetzt weiß ich, dass das, was ich vorher eigentlich sagen wollte, etwas anderes ist. Zwar hatte ich Erwartungen. Ich hatte jedoch keine konkrete Vorstellung davon, wie mein Leben in Kolumbien in den Details aussehen, wie ich mich fühlen würde. Die Rahmenbedingungen sind allerdings schon so geworden, wie ich es erwartet habe.

Womit ich hingegen nicht gerechnet hatte, war mein Projektwechsel. Vorher hatte ich damit gerechnet im Bildungsbereich mit Jugendlichen zu arbeiten und Englisch zu unterrichten. Arbeit mit kleinen Kindern konnte ich mir für mich selbst nicht vorstellen. Insofern war mein Projektwechsel eine große Bereicherung für mich, da ich so Einblicke in die Arbeit mit (kleinen) Kindern und in der Küche bekommen konnte. Ich bin sehr froh, über diese zusätzlichen Erfahrungen, denn vorher hatte ich mir diese Arbeiten selbst nicht zugetraut.

Nach dem Wechsel habe ich viel darüber nachgedacht, ob es die richtige Entscheidung war. Jetzt im Nachhinein kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung war, zu wechseln. Auch sonst gibt es wenig, das ich anders hätte machen wollen.  Sicherlich, ich hätte mehr auf meine zweite Gastfamilie zugehen können, doch ein wirkliches Interesse hatte ich daran nie. Das Einzige, das ich bereue, ist an dem Tag, als mein Rucksack geklaut wurde, nicht besser auf selbigen aufgepasst zu haben.

Freiwilligendienst als Lerndienst

Weltwärts beschreibt sich selbst als Lerndienst, dieser Beschreibung kann ich im Bezug auf meinen Freiwilligendienst vollkommen zustimmen. So habe ich auf den unterschiedlichsten Ebenen durch die Arbeit im Projekt, das Leben in einer Gastfamilie und das Kennenlernen der kolumbianischen Kultur Erfahrungen sammeln und dazu lernen können.

Was wohl am meisten heraussticht, ist das Erlernen der Sprache Spanisch. Ohne nennenswerte Vorkenntnisse bin ich vor einem Jahr in Kolumbien angekommen. Auf dem Zwischen- und dem Abschlussseminar hat sich gezeigt, dass ich genauso wie alle anderen Freiwilligen mittlerweile gute Spanischkenntnisse habe. Auch wenn die spanische Grammatik definitiv nicht zu meinen Stärken gehört, so konnte ich mich doch in allen Alltags- und Arbeitssituationen auf Spanisch gut zurechtfinden und mich flüssig sprechend verständlich machen.

Im Kindergarten konnte ich erste Erfahrungen im pädagogischen Bereich sammeln und habe gelernt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder einzugehen und mit Gruppen zu arbeiten. Bei der Arbeit in der Küche bekam ich tiefere Einblicke in die Zubereitung kolumbianischer Gerichte. Außerdem habe ich gelernt für große Gruppen zu kochen und Mengen möglichst exakt einzuschätzen. Durch die Arbeit in diesen für mich bisher unbekannten Bereichen, habe ich auch gelernt, welch große Leistung hinter den Berufen steht.

Auf der interkulturellen Ebene bin ich auf verschiedene Themen aufmerksam geworden. Hierbei ging es mir vielfach so, dass ich Situationen mitbekam oder erlebte, die mir bereits bekannte Sachverhalte besser verständlich machten. So wusste ich natürlich auch vor meinem Auslandsjahr schon, dass Stereotype und Vorurteile einfältig sind und maximal eine Geschichte von vielen erzählen. Doch wenn man diese Vorurteile einem Jahr lang einem Realitätscheck unterzieht, gelangt man zu einem tieferen Verständnis dieser Einsicht. Dazu trägt auch bei, Stereotype und Vorurteile über Deutsche selbst vorgehalten zu bekommen. Dass Aussagen wie: „Alle Deutschen sind groß und haben blaue Augen“ keinen wirklichen Informationsgehalt haben, ist schnell klar. Durch solche Konfrontationen fällt es leichter eigene Stereotype und Vorurteile beiseite zu legen und offen der Pluralität der kolumbianischen Gesellschaft zu begegnen.

Dass ich mich glücklich schätzen kann, mit einem deutschen Pass und allen weiteren dazugehörigen Privilegien geboren zu sein, das wusste ich auch vor über einem Jahr schon. Mein aktives Bewusstsein für Privilegien wie eine kostenlose UND qualitativ gut Schulbildung, staatliche Sozialleistungen, etc. ist dadurch gestiegen, in meinen Projekten täglich Menschen zu begegnen, die solche und andere Privilegien nicht genießen. Zudem werden in Kolumbien starke Unterschiede zwischen den sozialen Schichten deutlich. Es besteht eine große Chancenungleichheit innerhalb der kolumbianischen Gesellschaft.

Neben dem Bewusstsein für meine Privilegien habe ich aber auch ein Gefühl dafür bekommen, wie sehr ich selbst von meiner Herkunft geprägt bin. Und mit der Erkenntnis, dass ich mich selbst als Deutsche identifiziere und mich in Deutschland zuhause fühle, fällt die Rückkehr trotz allem Abschiedsschmerz gleich ein wenig leichter.

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Fotos aus meinem Alltag (2)

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Nachdem die letzten Wochen Ferien im Kindergarten waren und ich jeden Tag im Hogar de Encuentro gearbeitet habe, habe ich mich diese Woche wieder sehr darauf gefreut „meine“ Kinder wiederzusehen. Und mal abgesehen davon, dass es besonders den Kleinen nach den Ferien schwerer fällt sich morgens von den Eltern zu trennen und es deshalb eher laute und unruhige Tage waren, ist doch alles irgendwie wieder so wie immer.

Mittwochs und Freitags, wenn ich in den Kindergarten Formamos Personitas fahre, verlasse ich gegen 7:45Uhr das Haus und nehme einen buseta.

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Mein“ Buseta

Fahrtgeld
Fahrtgeld: 1.500 Kolumbianische Pesos (nach dem aktuellen Wechselkurs 0,50€)

Nach etwa 30 Minuten Fahrt steige ich an der Kreuzung der Avenida 68 mit Avenida Américas aus. Von dort aus laufe ich noch etwa 5 Minuten in das Wohngebiet Marsella hinein, in dem der Kindergarten liegt. Marsella ist ein ruhiger und gepflegter Stadtteil der Mittelschicht.

Fluss
Fluss / Kanal, an dem ich vorbeilaufe

Kindergarten "Formamos Personitas"
Der Kindergarten von außen

Ausschnitt Bogotás
Ausschnitt aus der Karte Bogotás mit meinem Wohnort und meinen Projekten

Der jardín infantil formamos personitas ist ein privater Kindergarten, in dem Eltern ihre Kinder gegen eine Gebühr anmelden können. Monatlich kostet die Halb- / bzw. Ganztagsbetreuung 230.000 / 260.000 Pesos (75 / 90 €), dazu kommen noch die Anmeldegebühr, Versicherung, auf Wunsch das Mittagessen, etc. Von 7 Uhr bis maximal 17 Uhr werden gut 30 Kinder im Alter von 18 Monaten bis 5 Jahren betreut. Insgesamt gibt es drei Betreuerinnen, die von den Kindern profe oder teacher genannt werden. Außerdem arbeiten dort noch eine Köchin und die Chefin im Büro.

Wenn ich morgens gegen halb neun im Kindergarten ankomme, spielen die Kinder in den Gemeinschaftsräumen, die parque und lúdicas genannt werden. Hierfür stehen ihnen vor allem Dreiräder zur Verfügung und ein Spielhaus. Außerdem gibt es noch ein kleines Bällebad, Legosteine und anderes Spielzeug, dass aber nur benutzt werden darf, wenn die Profe es erlaubt.

Spielbereich
Parque

Die Kinder sind in insgesamt 5 Gruppen nach dem Alter aufgeteilt. Caminadores (Läufer) sind die Kleinsten, die gemeinsam mit den Párvulos (Kleinkinder), den Zweijährigen, betreut werden. Die Dreijährigen sind im Prejardín (Vor-(Kinder-)Garten) und die Vier- und Fünfjährigen im Jardín A und B ((Kinder-)Garten A und B).

Gegen viertel vor neun sammeln sich die einzelnen Gruppen und es geht in den jeweiligen salón (Klassenzimmer), um zu frühstücken. Während des Frühstücks unterstütze ich die Profe im Salón der Caminadores und Párvulos. Zur Zeit gibt es in diesem Salón 11 Kinder, sodass jede Hilfe willkommen ist. Während bei den größeren Kindern in der Regel nur zum Essen motiviert und aufgepasst werden muss, dass sie nicht mit dem Essen spielen, brauchen die Kleineren mehr Hilfe und Aufmerksamkeit. Oft setze ich mich zu den Kindern an den Tisch und motiviere, ermahne und füttere mehrere Kinder gleichzeitig.

Frühstücken im "Klassenraum"
Frühstück bei den Kleinsten

Nach dem Frühstück lasse ich die Kleinen erst einmal mit ihrer Profe alleine und beginne bei den Größten mit dem Englischunterricht.

In Kolumbien ist es im (privaten) Bildungssystem so vorgesehen, dass die Kinder, wenn sie in die erste Klasse kommen, bereits grundlegend Lesen, Schreiben und Rechnen können. Daher spielen die Kinder nicht den ganzen Tag frei, sondern es gibt wie in einer Vorschule Unterricht, der in einem Klassenraum stattfindet. Das bedeutet, dass die Kinder der Alterstufen Prejardín bis Jardín B morgens 2-3 Stunden an Tischen sitzen und ihrem Alter entsprechend lernen. Die Dreijährigen lernen zum Beispiel die Zahlen bis 5 und die Vokale kennen, beschäftigen sich mit Dingen aus dem Alltag (Räume eines Haues, Tiere, rechts-links, etc.), malen und basteln. Bei den Größeren werden die Themen weiter ausgebaut und Schreiben und Rechnen im Zahlenraum bis 100 gelernt. Außerdem gibt es in allen Altersgruppen Sportunterricht, in dem Bewegung und Koordination gefördert wird, und eben den Englischunterricht, den ich unterstütze.

Jede Unterrichtsstunde steht ein Themenfeld im Blickfeld, dass mir von der Profe vorher genannt wird. Zum jeweiligen Themenfeld (z.B.: Familienmitglieder, Schulutensilien, Tiere, Berufe,…) lernen die Kinder 5-6 Vokabeln kennen. Obwohl die Kinder teilweise schon ein bisschen schreiben können, lernen sie die englischen Wörter vor allem durchs Vor- und Nachsprechen. Eine typische Stunde sieht so aus, dass ich den Kindern ein Arbeitsblatt austeile, auf dem die Vokabeln visualisiert sind. Gemeinsam gehen wir die Worte mehrfach durch und die Bilder werden eins nach dem anderen ausgemalt. Danach werden die Bilder manchmal noch ausgeschnitten und zu einer Collage zusammen geklebt (oder im Falle der Kleidungsstücke haben wir eine Anziehpuppe eingekleidet). Passend zum Thema suche ich Aktivitäten und / oder Spiele, die aus den Wörtern für die Kinder eine konkrete Sache machen. Das ist nicht immer ganz einfach. Besonders im Salón mit den Großen wird es schnell unruhig, da sie mit 12 Kindern eine recht große Gruppe sind.

Doch nicht nur die Kinder lernen, sondern auch ich lerne etwas dazu. Mal ist es nur eine spanische Vokabel, oft aber auch etwas über das Verhalten der Kinder selbst. So musste ich mit der Zeit feststellen, dass Spiele in Kleingruppen nur schwer funktionieren, in der ganzen Gruppe unter meiner oder der Anleitung der Profe allerdings schon. Bei den Großen ist der Wettbewerb untereinander sehr ausgeprägt, sodass sie das Spiel Vokabelfußball, bei dem durch gewusste Vokabeln in Teams Tore geschossen werden, sofort ins Herz geschlossen haben und es am liebsten immer spielen möchten. Im Prejardín möchten die Kinder zwar auch immer gerne gewinnen, einen so starken Ehrgeiz zeigen sie allerdings nicht. Gut funktioniert es immer, wenn wir uns gemeinsam (es sind 6 Kinder) in den Kreis setzen und Memory spielen. (Kinder sind tatsächlich ziemlich gut im Memory!) Die Dreijährigen fühlen sich schon zufrieden und als Gewinner, wenn sie ein Pärchen gefunden haben. Sie helfen gerne den anderen weiter und am Ende ist es ihnen egal, wer die meisten Pärchen gefunden hat. Dieses Verhalten macht den Unterricht für mich natürlich einfacher, weil weniger Chaos und Rivalitäten entstehen.

Nachdem ich im Jardín und im Prejardín mit den Themen fertig bin, kehre ich zurück in den Salón der Kleinsten. Auch hier führe ich eine Aktivität mit den Kindern durch. Eine Zeit lang haben sie beispielsweise jede Woche eine andere Farbe kennen gelernt. Passend zur Farbe der Woche habe ich mit den Kindern ein Arbeitsblatt gestaltet und dabei immer wieder wiederholt, wie die Farbe auf Englisch heißt.

Arbeiten aus dem Kindergarten
Pàrvulos: Wir haben eine Rose bemalt und beklebt und gelernt: rojo = red. Außerdem haben wir uns mit der geometrischen Form cuadrado = square beschäftigt.
Prejardín: Wir haben die Bauernhoftiere kennengelernt und ausgemalt. Außerdem haben wir uns angeschaut aus welchen Teilen ein Haus besteht und gemeinsam unser Haus gebastelt. Zum Schluss hat sich jeder noch auf einem Selbstporträt verewigt.

Nach dem intensiven Vormittag gibt es gegen 12 Uhr das Mittagessen. Einige Kinder bekommen ein warmes Essen von der Köchin serviert. Andere, die nur halbtags im Kindergarten sind, essen das, was die Eltern ihnen mitgeben und werden danach abgeholt.

Mittagessen im Kindergarten
Die Großen beim Mittagessen

Der Nachmittag verläuft entspannter als der Vormittag. Nach dem Mittagessen werden die Zähne geputzt und dann ist Zeit zum Spielen oder es werden Videos geschaut oder Kinderlieder angemacht. Gegen 14 Uhr wird noch einmal ein Snack gegessen. Die Kinder, die danach noch nicht abgeholt werden, spielen die verbleibende Zeit oder es wird gemeinsam gemalt. An manchen Tagen gibt es allerdings auch noch Zusatzangebote, so kommt mittwochs eine Tanzlehrerin und freitags wird Taekwondo angeboten. Für diese Angebote müssen die Eltern allerdings extra zahlen.

Nicht jeder Tag im Kindergarten wird jedoch mit Lernen verbracht, denn jeder Anlass wird genutzt, um eine Feier zu veranstalten. Es ist üblich, dass die Kinder ihren Geburtstag im Kindergarten feiern. Die Eltern bringen eine Torte und Überraschungen für alle mit und das Geburtstagskind bekommt von allen anderen Geschenken überreicht.

Außerdem wird gefühlt jeder „Tag des …“ gefeiert. Bisher habe ich schon miterlebt: Tag der Kinder, Tag der Frau, Tag des Mannes, Tag des Buches, Tag der Erde.

Tag der Jungs
Tag des Mannes

Geburtstagsfeier
Geburtstag

Wer sich die Fotos in diesem Beitrag genauer angesehen hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass die Kinder eine Uniform tragen. In Kolumbien ist es üblich, dass in Schulen und Kindergärten (und sogar in einigen Studiengängen) Uniformen getragen werden. Dabei gibt es zwei Modelle, die abwechselnd getragen werden. Einerseits gibt es die ordentliche Uniform, die aus Rock / Kleid bzw. (Polo-)Hemd besteht, andererseits gibt die sportliche Uniform – ein Trainingsanzug.

Seit Februar bin ich nun schon im Kindergarten und in dieser Zeit konnte ich die Kinder gut kennen lernen und ins Herz schließen. Doch wenn mir eine Sache, in dieser Zeit wirklich vor Augen geführt wurde, dann, was für eine anspruchsvolle Arbeit der Job als KindergartenerzieherIn ist. Wenn ich alleine vor der Gruppe von Kindern stehe, werde ich immer wieder an meine Grenzen gebracht. Ohne eine pädagogische Ausbildung ist es schwierig, den Kindern immer gerecht zu werden und auch in anspruchsvollen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Zu den benötigten Fachkenntnissen kommt noch dazu, dass die Arbeit mit den Kindern einfach körperlich anstrengend ist. Es gibt Tage, an denen das erste Kind morgens anfängt zu weinen, die Gruppe unruhig wird und man bis zum Mittagessen ständig ein anderes Kind beruhigen muss. Außerdem darf man nicht vergessen, dass man als Erwachsener ein ganzes Stück größer ist und man sich so ständig runterbeugen oder Kinder hochheben muss. Die schönsten Erlebnisse gibt es zudem, wenn Klein-Sebastian und Klein-Laura es nicht pünktlich aufs Töpfchen schaffen…

Ich habe vollsten Respekt für alle ErzieherInnen, die tagtäglich all diesen Anstrengungen und Herausforderungen die Stirn bieten und es dabei gleichzeitig auch noch vollbringen, den Kindern mit Liebe, Wärme und Verständnis zu begegnen und ihnen somit ein zweites Zuhause schaffen.
Hut ab!

Fotos aus meinem Alltag (1)

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Ein Jahr mit Freiwilligenarbeit im Ausland zu verbringen, das bedeutet eine Sprache zu lernen, das bedeutet viel zu reisen, das bedeutet ein anderes Land kennen zu lernen. Das bedeutet aber auch und vor allem zu arbeiten, in einem Projekt zu helfen und einen Alltag zu haben.

Seitdem ich im Februar mein Projekt gewechselt habe, ist mein Alltag zum Glück nicht mehr eintönig. Montags, Dienstags und Donnerstags arbeite ich im Hogar de Encuentro. Mittwochs und Freitags bin ich im Kindergarten. Allein durch den (fast) täglichen Wechsel der Projekte vergeht jede Woche wie im Fluge.

Karte Bogotás Ausschnitt Bogotás
Karte Bogotás und ein Ausschnitt, eingezeichnet sind jeweils mein Wohnort und meine beiden Projekte

Hogar de Encuentro

An den Tagen, an denen ich in den Hogar de Encuentro gehe, verlasse ich das Haus gegen 7.15 Uhr und laufe etwa 10 Minuten zur Transmileniostation Modelia.

Straße vor meinem Haus
Straße vor meinem Haus

Mit dem Bus L10 fahre ich in 40 Minuten zur Transmileniostation Primera de Mayo. Der Bus fährt über die Avenida El Dorado (Calle 26), die Avenida Caracas und die Carrera Décima (10) zunächst gen Osten und dann nach Süden.

Arbeitsweg im Transmilenio
Transmilenio fahren

Dabei werden mir jeden Morgen sehr unterschiedliche Seiten Bogotás vor Augen geführt. Zunächst führt der Weg an schicken Bürobauten, einem großen Shoppingcenter und dem Regierungsviertel vorbei. Danach komme ich an einem durch die Universidad Nacional geprägten Gebiet vorbei, in dem man an den Hauswänden große und sowohl kreative als auch kritische Graffitis bewundern kann. Sobald der Bus auf die Avenida Caracas abbiegt, wird die Straße schmutziger und belebter. Morgens um kurz vor 8 kann ich beobachten, wie Obdachlose gegen die Hauswände gelehnt auf Pappkartons sitzen und Ladenbesitzer ihre Geschäfte öffnen. Dabei ist mir aufgefallen, dass es dort, aber auch in ganz Bogotá, üblich ist, dass viele kleine Läden keine Tür haben, sondern nur nachts durch ein Garagentor geschlossen werden. Außerdem findet man oft auf einer Straßenzeile viele Läden, die die gleichen Produkte z.B. Schuhe, Hosen oder wie im Fall der Avenida Caracas auf diesem Abschnitt Schrauben und Plastikplanen verkaufen. Sowohl auf der Avenida Caracas als auch auf der Carrera Décima fallen leider auch unzählige herrenlose alte Autoreifen und volle Mülltüten in den Blick.

Garagentore Obdachloser
Plastikgeschäft (mit Garagentor) auf der Caracas und ein Obdachloser auf der Décima

Von der Transmileniostation Primera de Mayo sind es nur einige Schritte bis zum Hogar de Encuentro.

Hogar de Encuentro
Im zweiten und dritten Stock (mit den blauen Fenstern) befinden sich die Räumlichkeiten des Hogar de Encuentro

Hogar de Encuentro
Größter Raum im obersten Stock

Blick aus dem Fenster Blick aus dem Fenster
Blick aus dem Fenster

Der Tagesablauf ist fest geregelt. Morgens kommen die Kinder und Jugendlichen von 8 bis 12 Uhr (wobei es viele mit der Pünktlichkeit nicht so genau nehmen). Um 9 Uhr wird der Refrigerio, ein Snack / zweites Frühstück serviert, der meistens aus einem Getränk und einem Gebäckstück besteht. Davor ist Zeit, um Hausaufgaben zu machen. Nach dem Refrigerio macht der Pädagoge Aktivitäten mit den Kindern und Jugendlichen, in denen sie ihre Rechte kennen lernen, soziale Kompetenzen stärken und über die Gefahren von Suchtmitteln, Umweltverschmutzung, etc. reden. Um Punkt 11.30 Uhr wird das Mittagessen serviert, damit die Kinder und Jugendlichen sich um 12 Uhr mit vollem Bauch und frisch geputzten Zähnen auf den Weg zur Schule machen. Ab 13 Uhr kommen die SchülerInnen, die morgens zur Schule gehen. Der Ablauf am Nachmittag ist der gleiche wie am Morgen mit dem Unterschied, dass um 14 Uhr zunächst Mittag gegessen und erst am späten Nachmittag der Refrigerio serviert wird.

Mein Tagesablauf orientiert sich an diesem Gerüst, ist jedoch nicht ganz so starr, da ich immer dort helfe, wo gerade eine Hand gebraucht wird. Morgens bedeutet das eigentlich immer, dass ich mit Haarnetz und Schürze ausgestattet, in der Küche bin. Da es sich bei der Einrichtung um ein staatlich bezahltes und kontrolliertes Förderprojekt handelt, wird sehr darauf geachtet, dass diese und weitere Hygienevorschriften eingehalten werden. (Übrigens: Da es ein staatliches Projekt ist, darf ich keine Fotos von den Kindern und Jugendlichen veröffentlichen.)

Herd
Gasherd in der Küche

Saft machen
Saft machen – meine Lieblingsaufgabe

Neben den Hygienevorschriften müssen wir uns auch an einen von einer Ernährungswissenschaftlerin erarbeiteten Speiseplan halten, der sicher stellen soll, dass die SchülerInnen ausgewogen und nährstoffreich essen. Die Mengenangaben werden nach Alter gestaffelt bis aufs Gramm vorgeschrieben.

Speiseplan
Speiseplan

Der Speiseplan besteht aus vier unterschiedlichen Wochen. Jedes einzelne Mittagessen besteht aus Reis, einer weiteren Kohlenhydratquelle (Kartoffel, Yuca, Platano), Gemüse / Salat und Fleisch (einmal pro Woche Ei oder (Thun-)Fisch). Dazu gibt es einen frischen Fruchtsaft und Suppe. Die Suppe wird allerdings nur an die SchülerInnen serviert, die nicht übergewichtig sind.

Vor dem Essen gibt es zwei Rituale. Zunächst wird gebetet. Dafür spricht einer der Schüler vor und die anderen sprechen nach. Meistens hört sich das dann so an:

Señor  Herr
te damos gracias  wir danken Dir
por un día más de vida.  
für einen weiteren Tag des Lebens.
Señor  
Herr
ayúdanos en el colegio
  hilf uns in der Schule
y ayuda a mis papás  und helfe meinen Eltern
y a todos que conozco.  
und allen, die ich kenne.
Bendice  
Segne
a esos alimentos que vamos a comer  
die Lebensmittel, die wir essen werden
y bendice a la profe Lili y al profe Jose y a la doña Pati (… y a la señora Christina).
und segne die Profe Lili und den Profe Jose und die Frau Pati (… und die Frau Christina).
Amen amen amen

Zum Verständnis: Im institutionellen Umfeld (Schule, Kindergarten und eben auch im Hogar de Encuentro) wird fast jeder Erwachsene von den SchülerInnen Profe (Kurzform für profesor – Lehrer) genannt. Es ist außerdem in Kolumbien insgesamt üblich andere mit Titel anzusprechen. Der Name ist optional. Der Titel ist entweder vom Beruf abgeleitet (wie Profe) oder es wird universell Señor / Señora / Señorita (Herr / Frau / Fräulein) verwendet. Weitere Optionen sind zum Beispiel Don und Doña. Diese Formen bedeuten im Deutschen auch Herr und Frau, es wird dadurch jedoch mehr Respekt ausgedrückt. Außerdem werden diese Formen meist für eher ältere Personen verwendet.
Allerdings scheinen sich die Kinder auch nicht immer sicher zu sein, welcher Titel zutreffend ist, und so bin ich mal Profe, Señora, Señorita oder sogar Doña Christina. (Letzteres führt immer zum Schmunzeln meiner KollegInnen, da es für mich als Freiwillige und als 19Jährige ein unpassender Titel ist.) Und ja, oft werde ich in die Gebete mit eingeschlossen 🙂

Nach dem Gebet wird ein Lied über die Trägerorganisation ACJ angestimmt. Den kompletten Text habe ich noch nie verstanden, da es meist nicht besonders melodisch zugeht… Aber im Großen und Ganzen wird der ACJ als Zufluchtsort beschrieben und es wird sich dem guten Benehmen und dem Frieden verpflichtet.

Veo en la calle un mundo diferente  Ich sehe auf der Straße eine andere Welt
pero aquí encuentro presente  
aber hier finde ich
la ACJ, mi casa mi segundo  
den ACJ, mein zweites Zuhause

iSí, que reine la paz!
 
Ja, lasst den Frieden regieren!

Wenn es dann mit dem Essen endlich losgeht, wird gut aufgepasst, dass jeder seinen Teller aufisst. Besonders das Gemüse (von dem schon besonders wenig aufgetan wird…) muss gegessen werden.
Sobald die SchülerInnen sich allerdings auf den Weg gemacht haben zur Schule und das Team isst, ist von dieser Konsequenz beim Essen nichts mehr zu sehen. Und so gibt es Tage, an denen jeder Teller anders aussieht… 😉

Zwei Beispiele für das Essen (in meiner persönlichen Version mit mehr Gemüse und weniger Reis):

MIttagessen Ajiaco
Hähnchen mit Reis, Kartoffel und Erbsen mit Ei UND Ajiaco, eine typische Suppe aus Bogotá, mit Hähnchen, Reis mit Nudeln, Kartoffel und Avocadosalat.

Während ich am Morgen eigentlich immer in der Küche helfe, sind meine Aufgaben am Nachmittag diverser. Wenn noch Vorbereitungen für den nächsten Tag gemacht werden müssen, helfe ich weiter in der Küche und schneide zum Beispiel das Obst für den Saft des nächsten Tages klein. Ansonsten helfe ich den Kindern und Jugendlichen oft bei den Hausaufgaben. Viele der Projektteilnehmer haben Schwierigkeiten in der Schule. Zum einen aus Lernschwierigkeiten, zum anderen fehlt vielen Schülern auch die Disziplin und ein lernförderndes Umfeld. Durch die festen Zeiten für die Hausaufgaben können sich viele der Projektteilnehmer schulisch verbessern. Es ist außerdem für viele wichtig, dass sie eine Ansprechperson bei Zweifeln und Problemen haben. Bei einigen Schülerinnen, denen ich regelmäßig helfe, ist mir z. B. aufgefallen, dass sie oftmals direkt aufgeben, wenn sie die Lösung nicht sofort wissen.

Neben der Hausaufgabenhilfe bin ich nachmittags oft auch im Büro und sortiere Dokumente in die Akten ein. Es ist interessant, dabei durch den Einblick in die Akten mehr über die Hintergründe der Kinder und Jugendlichen zu erfahren. Es gibt viele verschiedene Gründe, warum sie in das Projekt kommen. So gibt es Teilnehmer, die in gefährdeten familiären Situation leben, z.B. durch Gewalt, Konflikte oder Drogenkonsum innerhalb der Familie. Andere wiederum nehmen teil, um ein vollwertiges Mittagessen zu bekommen, da ihre Familien in ökonomischen Problemen stecken. Bei vielen Teilnehmern besteht auch ein Interesse an der Teilnahme am Programm, um die schulische Leistung und das soziale Verhalten zu verbessern.

Jeden Donnerstag habe ich neben den bereits beschriebenen Tätigkeiten eine besondere Aufgabe, denn donnerstags werden die Lebensmittel für die bevorstehende Woche geliefert.

Kühlschränke Speisekammer
Und dann ist der sonst so ordentliche Vorratsraum auf einmal voll…

EInkauf Einkauf

Die Lebensmittel werden jedoch nicht nur verstaut, sondern – und das ist meine Aufgabe – sie müssen auch beschriftet werden mit Namen, Eingangdatum und Verfallsdatum.

Lebensmittel beschriften
Zettelchen, mit denen die Lebensmittel gekennzeichnet werden

Etwa einmal im Monat wird uns neben den normalen Lebensmittel auch noch etwas anderes geliefert: Bienestarina.
Bienestarina ist eine Art Nahrungsergänzungsmittel, das vom Instituto Colombiano de Bienestar Familiar (demselben Institut, dass den Hogar de Encuentro finanziert) an soziale Einrichtungen und bedürftige Familien kostenlos ausgegeben wird. (Selbst bei meiner Reise in den Amazonas habe ich übrigens eine Frau mit einer Packung Bienestarina unter dem Arm gesehen!) Es handelt sich um ein Mehl, das aus Weizenmehl, Soyamehl, Mais, Milchpulver und zugesetzten Vitaminen, Mineralien und Proteinen besteht.

Bienestarina
Packung Bienestarina 

Verwendet wird die Bienestarina in meinem Projekt vor allem, um die Suppe anzudicken oder um Colada zu machen. Colada ist ein Getränk aus angedickter und gesüßter Milch, das wir für den Refrigerio zubereiten. Obwohl die Bienestarina eine wertvolle Ergänzung für die Nahrung der Kinder ist, tun sich die Köchinnen zum Ärger der Chefin oft schwer damit, täglich eine komplette Packung im Essen unterzubringen.

Im Amazonas

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Villa de Leyva, Guatapé, Medellín, Quindío, Boyacá, Bucaramanga, Santander, Cartagena, Villavicencio, Santa Marta, Barranquilla, Tayrona, San Agustín, Desierto de la Tatacoa, Neiva.

All diese Orte und Regionen habe ich in den letzten Monaten neben meiner Arbeit in den Projekten bereisen können. Ich habe die Reisen genossen und sehr viele sehr schöne Orte kennen gelernt. Doch bevor ich anfing, mich vor mehr als einem Jahr mit Kolumbien zu beschäftigen, hatte ich keine Vorstellung von diesen Orten. Genau genommen hatte ich kaum einen der Namen schon einmal gehört.
Ganz anders war das bei meiner letzten Reise. Sie führte mich in den Amazonas.

Der kolumbianische Teil des Amazonas nimmt eine Fläche ein, die größer ist als die Bundesrepublik Deutschland. Obwohl die Region Amazónica damit gut die Hälfte der Fläche Kolumbiens ausmacht, wohnt dort weniger als ein Fünfzigstel der 48 Millionen Kolumbianer. Über 1000km von Bogotá entfernt, liegt im südlichsten Zipfel Kolumbiens die mit 35.000 Einwohnern wichtigste und größte Stadt der kolumbianischen Amazonasregion – Leticia. Eine Straße, die Leticia mit den restlichen Städten Kolumbiens verbindet, gibt es nicht, deshalb sind wir mit dem Flugzeug angereist. Die letzten 30 Minuten des zweistündigen Flugs konnten wir die schier endlose Weite des Meer aus Bäumen beobachten und realisieren, dass es sich nicht einfach um irgendeinen Wald handelt sondern um DEN Amazonas Regenwald, die größte zusammenhängende Waldfläche der Welt, die grüne Lunge der Erde. Leticia liegt auch nicht an irgendeinem Fluss, sondern am Río Amazonas, einem der längsten und wasserreichsten Flüsse der Welt.

Für die erste Nacht hatten wir ein Hostel in Leticia gebucht. Das Besondere an Leticia ist, dass die Stadt direkt an der Grenze zu Brasilien liegt und mit der brasilianischen Stadt Tabatinga verschmilzt. Ohne Grenzkontrolle konnten wir auf der Avenida Internacional mal eben zu Fuß einen Abstecher nach Brasilien machen.

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Tabatinga hat aber mal abgesehen von der Internationalität genauso wie Leticia auf mich eher unspektakulär gewirkt. Beides sind Kleinstädte, in denen sich das Leben am Hafen abspielt, wo gehandelt wird und kleine Holzboote als Taxis auf dem Wasser verkehren.

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Tabatinga
Mit einem solchen Boot haben wir dann auch von Tabatinga aus den Amazonas überquert und befanden uns innerhalb von Minuten auf peruanischem Boden. Betreten im wahrsten Sinne des Wortes konnten wir Peru aber nicht, da zurzeit Regenzeit ist und der Amazonas weit aus den Ufern getreten ist. Somit war das peruanische Dorf Santa Rosa komplett überschwemmt und wir drehten nur eine kleine Runde mit dem Boot, bevor wir zurück nach Leticia fuhren.

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Stege in Leticia am Hafen

Für mich war es eine total unwirkliche Situation durch das überschwemmte Dorf zu fahren, doch so wie sich in Deutschland die Jahreszeiten abwechseln, gibt es in Äquatornähe Regen- und Trockenzeit, sodass der hohe Wasserstand ganz normal ist. Viele Häuser sind deshalb auf Stelzen gebaut oder stehen auf einem schwimmenden Podest aus Holzstämmen. Ich habe auch gesehen, dass in manchen Häusern das Erdgeschoss unter Wasser stand und nur der erste Stock bewohnt wurde.

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Santa Rosa

Am nächsten Tag nahmen wir die erste der drei täglichen Bootsverbindungen ins gut 90km entfernte Puerto Nariño.

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Fahrt auf dem Amazonas

Das Dorf am Ufer des Amazonas hat etwa 6000 Einwohner, viele von ihnen gehören indigenen Völkern an. Bis auf einen Krankenwagen und einen Trecker der Müll einsammelt, gibt es keine Fahrzeuge, sodass Puerto Nariño ein wahrer Ort der Ruhe ist. Uns fiel gleich bei der Ankunft auf, wie sauber es überall ist und tatsächlich erfuhren wir später, dass Recycling in Puerto Nariño ein großes Thema ist und das Abladen von Müll auf der Straße sogar unter Gefängnisstrafe steht.

Schon vor der Reise hatten wir von anderen Freiwilligen einen Kontakt aus Puerto Nariño erhalten, sodass wir dieses Mal nicht in einem Hostel schliefen. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, da wir so durch unseren Gastgeber Pedro den Blick eines Einheimischen näher gebracht bekommen haben.
Pedro gehört zur indigenen Gruppe der Ticuna, ist im brasilianischen Teil des Amazonas in einer Dorfgemeinschaft traditionell aufgewachsen und später mit seinen Eltern nach Leticia gekommen, wo er Spanisch gelernt hat. Nach der Schule hat ihn ein Freund auf die Idee gebracht zu studieren, so bewarb er sich an der öffentlichen Universidad Nacional und ging als erstes Mitglied seiner Familie nach Bogotá und zur Uni. Nach dem Studium kehrte er in den Amazonas zurück, weil er sich nicht auf Dauer mit dem Leben in der Großstadt anfreunden wollte. Seine Erzählungen haben mich mal wieder daran erinnert, wie groß die Unterschiede zwischen Bogotá und den ländlichen Gebieten ist. Besonders das abgeschiedene und dünn besiedelte Amazonasgebiet ist eine andere Welt als das dicht bevölkerte Ballungsgebiets Bogotás.

Aber außer über Bogotá konnte Pedro uns viel über die Indigenen erzählen, die im Amazonas wohnen. In den Weiten des Regenwalds leben noch immer Gruppen, die keinen Kontakt zur westlichen Welt haben möchten, andere Gruppen lassen mehr Einflüsse zu, so wie ein Dorf der Ticuna, das wir besucht haben. Dort haben wir zu Mittag gegessen, Kunsthandwerk gekauft und eine traditionelle Tanzaufführung angesehen. Außerdem gibt es auch Indigene, die wie Pedro in Dörfern oder Städten leben.
Es gibt viele verschiedene indigene Völker mit ihren jeweils eigenen Sprachen, die mehreren Sprachstämmen angehören.
Der brasilianische Staat bietet den Indigenen Hilfen in Form von Grundnahrungsmitteln an, solche Hilfen gibt es in Kolumbien nicht. Allerdings erzählte uns Pedro auch, dass die Hilfen dazu führten, dass es für die Profitierenden kaum noch Anreize zur Arbeit gibt, da die Grundbedürfnisse bereits gestillt werden. Aus Pedros Sicht kümmert sich der kolumbianische Staat kaum um die indigene Bevölkerung, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung auf unter 5% angegeben wird. Das Wissen in der Restbevölkerung über indigene Kulturen sei sehr gering und auch in den Schulen würde kaum auf diese Themen eingegangen werden. In Bogotá hat Pedro außerdem Diskriminierung erlebt.

Von Puerto Nariño aus haben wir verschiedene Ausflüge gemacht, um die Natur in der Umgebung kennen zu lernen.
In der Nähe Puerto Nariños gibt es einige Seen, die mit dem Amazonas verbunden sind. Mit einem kleinen Boot sind wir zu einem der Seen gefahren und haben dort rosane Delfine beobachtet. Diese Delfine leben ausschließlich im Süßwasser und mit dem Alter wird die rosane Färbung immer intensiver. Als wir am späten Nachmittag nach einer erfrischenden Runde Schwimmen im See, der aufgrund eines natürlichen Farbstoffes eine Cola ähnliche Farbe hat, begannen, nach Delfinen Ausschau zu halten, kamen die Delfine gerade aus den überfluteten Waldgebieten, in denen sie Fische jagen.

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Mit dem Boot durch den Wald

Die Beobachtung war jedoch gar nicht so einfach, da die Delfine unter Wasser schwimmen und nur alle paar Minuten zum Luft holen kurz auftauchen. Ein richtiges Foto zu machen, war so leider unmöglich. Neben den rosanen Delfinen konnten wir auch noch „normale“ graue Delfine beobachten. Diese können im Amazonas bis in den Atlantik schwimmen, aber auch zurückkehren, wenn sie möchten.

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Der See 

Außer den Delfinen konnten wir auch noch Affen näher kommen. Die Isla de los Micos (Affeninsel) liegt zwischen Puerto Nariño und Leticia im Amazonas und wird von ganz vielen kleinen Äffchen bewohnt. Diese sind mittlerweile schon an die Touristen gewöhnt und nähern sich den Menschen in Hoffnung auf Bananen an. Mit Freude sind sie dann auf uns herum geklettert und haben es sich einen Moment auf unseren Köpfen und anderen Körperteilen gemütlich gemacht. Genauso schnell wie sie gekommen sind, springen die Affen dann aber auch wieder weg – zur nächsten Person oder zum nächsten Baum.

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Den Andrang von Touristen, die auf die Insel kommen, nutzt eine Gruppe von Indigenen, die in traditioneller Kleidung und Bemalung posiert, um gegen ein Trinkgeld mit Touristen Fotos zu machen. Später haben wir erfahren, dass die Volksgruppe, der sie angehören, aus Peru kommt, jedoch von Ölkonzernen, die in ihrem Gebiet nach Öl bohren, vertrieben wurden.

Neben den Ausflügen zur Affeninsel und den Delfinen haben wir außerdem gemeinsam mit Pedro eine Wanderung durch den Dschungel gemacht. Neben einer großen Vielfalt an Bäumen und Sträuchern, durch die wir uns teilweise richtig durchschlagen mussten, haben wir verschiedene Tiere wie Frösche, Affen, Spinnen und Insekten gesehen. Es gibt dort außerdem Jaguare, doch diese leben sehr zurückgezogen, sodass man sie, wenn man wie wir unerfahren durch den Wald trampelt und stolpert, nicht trifft. Insgesamt habe ich gemerkt, dass man die große Artenvielfalt, die es im Regenwald gibt, leicht übersehen kann, wenn man nicht mit erfahrenem Blick geduldig Ausschau hält.

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Ein giftiger Frosch im Unterholz
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Es war sehr interessant mit Pedro unterwegs zu sein, da er uns auch zu den Wirkungen einzelner Pflanzen etwas erzählen konnte. So gibt es beispielsweise Pflanzen, die als natürliche Insektenschutzmittel funktionieren, oder eine Baumrinde, die bei der Wundheilung hilft.

Insgesamt war es eine unglaublich schöne und interessante Reise. Besonders interessant war es für mich, mehr über die indigene Bevölkerung zu erfahren.

Ich möchte jedoch – gerade im Bezug auf die Indigenen aber auch einfach ganz generell – darauf hinweisen, dass das, was ich auf meinem Blog erzähle, immer nur meine persönliche Sichtweise ist. Ich kann Dinge nur so wiedergeben, wie ich sie mit meinem deutschen Blick gesehen oder wie ich sie aus Erzählungen anderer verstanden habe. Es ist wichtig, dass sich jeder beim Lesen bewusst ist, dass es lediglich eine Geschichte, eine Geschichte von vielen, ist, die ich erzähle. Zur Gefahr einer einzigen Geschichte (The danger of a single story) gibt es eine Rede der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Adichie, die sehr anschaulich erklärt, wie wir uns von unvollständiger und einseitiger Berichterstattung beeinflussen lassen.

Das Video ist wirklich sehr sehenswert: https://www.youtube.com/watch?v=mgs2Do88zp0

Kolumbien kulinarisch

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Nach 9 Monaten in Kolumbien ist ein Blogartikel mittlerweile lange überfällig: Der Blick in die Küche, typische Gerichte und alles rund ums Essen.

Die Basis der Ernährung in Kolumbien ist wohl unangefochten der Reis. In den meisten Küchen ist fast immer ein halbvoller Topf mit Reis auf dem Herd zu finden. Der Reis wird in Kolumbien in Salzwasser mit einem Schuss Öl und ein wenig Knoblauch und Frühlingszwiebel so lange gekocht, bis der Reis das gesamte Wasser aufgesogen hat. Damit es bei all dem Reis nicht langweilig wird, gibt es Variationen wie arroz verde (mit Kräutern), arroz al pimentón (mit ein wenig Paprika), arroz con coco (mit Kokosflocken) oder arroz con fideos (mit angebratenen kurzen Spaghettis). Doch für viele kommt das Beste des Reis erst wenn der Topf schon fast leer ist: pega nennt sich der halb angebrannte, knusprige Rest des Reis, der im Topf klebt.
Schon oft habe ich den Satz gehört: „Ohne Reis ist es keine richtige Mahlzeit!“ Und tatsächlich ist es problemlos möglich bis zu dreimal täglich Reis zu essen.

Frühstück – Desayuno

Grundsätzlich sehe ich hier in Kolumbien eine Tendenz dazu, ausgiebig zu frühstücken. Dennoch essen viele Personen besonders unter der Woche auch nur ein kleines Frühstück. Wenn dann aber beim Frühstück mal richtig aufgetischt wird, bleibt kein Bauch leer.
Wichtigster Bestandteil der Mahlzeit ist das Ei in allen seinen Zubereitungsformen. Neben dem klassischen Spiegelei und Rührei sind vor allem huevos pericos beliebt. Hierbei handelt es sich um Rührei, das mit kleingeschnittener Tomate und Frühlingszwiebel ergänzt wurde. Oder aber – und hier kommt zum ersten Mal der Reis ins Spiel – die Eier werden gemeinsam mit dem restlichen Reis vom Vortag serviert. Wenn außer dem Reis noch mehr vom Essen übrig geblieben ist, werden zum Beispiel Linsen oder rote Bohnen gemeinsam mit dem Reis aufgebraten und als sogenanntes calentao serviert.

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Calentao aus Reis und roten Bohnen
Zum ausführlichen Frühstück gehört neben dem Ei auch noch changua oder caldo. Changua ist eine Suppe aus Milch und Wasser, die mit Frühlingszwiebel, Salz und Koriander abgeschmeckt wird. In die kochende Suppe werden dann Eier hineingeschlagen und tostadas, stark getoastete kleine Weißbrotstücke, hineingegeben.

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Changua

Bei caldo handelt es sich um Suppenbrühe, die mit Kartoffeln und / oder Fleisch serviert wird.

Abgerundet wird das Frühstück mit einem Obstteller und arepa.

Arepa
Neben der bereits angesprochenen riesigen Früchteauswahl ist mein persönliches Highlight der kolumbianischen Küche das Arepa. Grundzutaten des Arepateigs sind immer Maismehl und Wasser. Je nach Rezept werden außerdem noch Salz, Margarine und Käse hinzugefügt. Der Teig wird zu einem Fladen geformt, der etwa die Form eines Kartoffelpuffers hat, und mit wenig Fett von beiden Seiten gebraten. Größere und dickere Varianten sind aber auch möglich.
Fast jede Region Kolumbiens hat eine eigene Zubereitungsart für Arepas, die alle wirklich sehr unterschiedlich sind. Bevor ich nach Kolumbien kam, war es für mich schwer vorstellbar, dass ein Fladen aus Maismehl so unterschiedlich zubereitet werden kann, doch mittlerweile habe ich arepa boyacense (aus dem Department Boyacá, leicht süßlich, mit Käse gefüllt), arepa paisa (weiß, dünn und ungewürzt, aus der Paisa-Region, wird dort zu fast allen Gerichten gereicht), arepa con queso (dick, mit Käsefüllung, wird oft an Straßenständen verkauft), arepa con huevo (typisch für die Küstenregion, gefüllt mit einem Ei, frittiert), arepa santandereana (aus dem Department Santander, mit gelben Maismehl und chicharrón, frittierter Schweinehaut, zubereitet), etc. kennengelernt.

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Arepa con queso

Wer möchte kann außerdem noch Toastbrot oder Brot essen. Unter Brot werden allerdings kleine helle und gesüßte Brötchen verstanden, die an Milchbrötchen erinnern. Als Alternative dazu gibt es auch Croissants. Dunkles Brot und knusprige (Körner-)brötchen sind hingegen eher schwer zu finden.

Eine weitere Option fürs Frühstück sind außerdem noch tamales. Hierbei handelt es sich um eine Masse aus Maismehl, Reis, Kichererbsen und Fleisch, die in einem Bananenblatt eingewickelt gekocht wird.

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tamales

Getrunken wird zum Frühstück in der Regel frischgepresster Orangensaft und tinto (schwarzer, gesüßter Kaffee), café (Milchkaffee), agua de panela (heißes Wasser mit aufgelöstem Panela, ein festgewordener Sirup aus Zuckerrohrsaft, oft mit Limette serviert) oder chocolate (heiße Trinkschokolade).

Chocolate con queso
= (Trink-)Schokolade mit Käse. Von dieser gewagten Kombination hatte ich schon vor meiner Anreise nach Kolumbien gehört. Vorstellen konnte ich es mir nicht. Oder zumindest nicht, dass das irgendwie lecker sein könnte.

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Als ich Chocolate con queso dann zum ersten Mal probierte, war ich auch tatsächlich nicht besonders überzeugt. Doch wenn ich mit meiner Gastfamilie frühstücke, dann nehmen sie immer ein Stück Käse, lassen es in die Tasse mit Kakao fallen und ein paar Minuten später wird der Käse wieder herausgefischt und pur oder mit Croissant / Toast / Milchbrötchen gegessen. Ich probierte es also noch mal. Und noch mal. Und noch mal. Wir brauchten unsere Zeit um miteinander warm zu werden. Mittlerweile ist es mir fast schon zur Gewohnheit geworden. Ihr da in Deutschland werdet jetzt bestimmt die Nase rümpfen, doch man muss vielleicht dazu sagen, dass sowohl die Schokolade als auch der Käse in Kolumbien anders sind als in Deutschland. Trinkschokolade schmeckt viel schokoladiger als der deutsche Mix aus Milch und Kakaopulver, denn es wird richtige (dunkle, wenig gesüßte) Schokolade dafür in Milch oder manchmal auch in Wasser aufgelöst. Vor dem Servieren wird die Chocolate dann noch aufgeschäumt mit einer Art Schneebesen aus Holz. Der Käse.. nun ja. Ich würde mal freundlich behaupten, die meisten Käsesorten hier schmecken nach gar nichts. Auf Brot mag ich den Käse nicht essen. Aber in der Chocolate und geschmolzen dann eben doch. 🙂

Mittagessen und Abendessen – Almuerzo y cena

Grundsätzlich wird sowohl zum Mittag- als auch zum Abendessen ein warmes Gericht gereicht. Allerdings gibt es auch immer mehr Kolumbianer, die eins oder beide Gerichte durch ein leichteres Essen ersetzen. Da der typische bandeja jedoch überall zu finden ist und meiner Meinung nach die am weitesten verbreitete Auffassung eines guten Essen widerspiegelt, werde ich mich auf dieses typische Essen konzentrieren.

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bandeja paisa – das typische Gericht aus der Paisa-Region, mit Reis, roten Bohnen, verschiedene Fleischsorten, Spiegelei, Arepa, frittierte Kochbanane, Avocado, Salat – wer da nicht satt wird…

Ein almuerzo besteht typischerweise aus drei Komponenten. Zunächst ist da die Suppe, zum Beispiel Brühe mit Fleisch und Gemüse oder Gemüsecremesuppen. Darauf folgen der seco, der „trockene“ Teil des Essens, und ein frischer Fruchtsaft in Wasser oder Milch. Beim seco handelt es sich allerdings nicht einfach um ein beliebiges Essen, sondern es müssen bestimmte Komponenten vorhanden sein:

  • Reis in reichlicher Menge
  • Zweite (und dritte) Kohlenhydratquelle: nur Reis zu essen, wäre ja sehr langweilig, deshalb wird das Gericht noch durch eins oder mehrere der folgenden Zutaten ergänzt: Kartoffeln, Nudeln, yuca (Maniokwurzel) in gekochter oder frittierter Form, plantano (Kochbanane) in der süßen oder herzhaften Version in gekochter oder frittierter Form oder als patacón
    Essen
    Herstellung von patacones. Nach kurzem Frittieren werden die Kochbananenstücke platt gedrückt und fertig frittiert. 
  • Proteinquelle: in der Regel handelt es sich bei der Proteinquelle um Fleisch, da Fleisch von vielen als unverzichtbares Lebensmittel angesehen wird. Am beliebtesten sind Hühnchen und Rindfleisch. Das Fleisch kann aber auch noch durch ein Ei ersetzt oder – doch lieber – ergänzt werden. Manchmal wird auch Thunfisch gegessen. An der Küste ist es jedoch üblich viel Fisch zu essen.
  • Gemüse: Der Teller ist eigentlich schon gut gefüllt, doch der Vollständigkeit halber fehlt noch die Gemüsebeilage. Beliebt sind Linsen und rote Bohnen, die aber genau genommen zu den Hülsenfrüchten zählen.

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    Frijoles – rote Bohnen

    In meinen Projekten werden den Kindern oft grüne Bohnen, Möhren und Erbsen gekocht oder Salate zubereitet. Sowohl in meiner Gastfamilie als auch im Projekt habe ich bei der Zubereitung aber gelernt: Gemüse muss so klein geschnitten werden und so lange zerkocht werden, dass man es eigentlich gar nicht mehr schmeckt und spürt. Bei den Salaten gibt es meiner Erfahrung nach nur eine Zutat, die wirklich zu freudigen Blicken führt: Avocado! Ansonsten gilt bei jeglichem Gemüse, die Portion zu klein wie möglich zu halten.

„Crepe vegetarisch – NEU jetzt auch mit Hühnchen“
Dieses Gericht findet sich in der Speisekarte von Crepes & Wafles, einer Restaurantkette, die, nun ja, Crepes und Waffeln verkauft. Es handelt sich nicht um ein obskures Minirestaurant, bei dem die Aushilfe mal schnell das Tagesgericht auf eine Tafel gekritzelt hat. Bei Crepes & Wafles kann man sehr schön und sehr lecker essen und muss dafür auch etwas mehr bezahlen (wobei Essen gehen im Vergleich zu Deutschland unheimlich günstig ist und der Preis für ein Crepe in Deutschland nur durchschnittlich wäre). Wie kommt es also zum Crepe vegetarisch mit Hühnchen? Vegetarismus ist in Kolumbien nicht besonders verbreitet und viele Leute verstehen das Konzept, kein Fleisch zu essen, zudem nicht. Trotzdem begegnet man in einer Großstadt wie Bogotá natürlich auch Vegetariern. Als ich einmal mit einer vegetarischen kolumbianischen Freundin essen war, bestellte sie sich Pollo – Hühnchen – verdutzt schaute ich sie an, sie erklärte mir, dass sie kein carne esse, pollo aber schon, nur halt nicht so oft. Carne, das bedeutet Fleisch. Im alltäglichen Sprachgebrauch versteht man unter carne allerdings meistens carne de res, Rindfleisch. Wenn man also ein Gericht ohne carne wünscht, wird einem meistens pollo serviert…

Insgesamt ist zur Zubereitung des Essens zu sagen, dass fast keine Gewürze benutzt werden. Neben dem natürlichen Geschmack der Lebensmittel, wird das Essen vor allem durch Salz, Frühlingszwiebel, Knoblauch in geringen Mengen und Koriander verfeinert.

Gekocht wird in fast allen Haushalten mit Gas und nach dem Essen wird mit der Hand gespült, da Spülmaschinen kaum verbreitet sind. Backöfen gibt es auch nur in wenigen Haushalten. Die kolumbianische Küche sieht so gut wie keine Gerichte aus dem Ofen vor und so wird dieser, falls vorhanden, oft als Ablage für Pfannen zweckentfremdet.

Snacks – Pasabocas

Wer nach dem Essen noch Hunger verspürt, dem steht eine große Auswahl von Snacks zur Verfügung. Typische Süßigkeiten sind bocadillo, Gelee der Guayabafrucht, oder arequipe, eine Karamellcreme. Diese wird zum Beispiel verwendet um Oblaten zu bestreichen und sie gemeinsam mit Marmelade und Käse als oblea zu essen.

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Hormigas – eine lokale Spezialität, es handelt sich um angebratene Ameisen

Wer jedoch Lust auf Schokolade oder Gummibärchen verspürt, der wird mit dem kleinen Sortiment kaum zufrieden werden. Stattdessen könnte er auf Kartoffelchips ausweichen und die beliebten Sorten pollo  (Hühnchen) und limón  (Limette) probieren.

Außerdem eignen sich die bereits beschriebenen arepas gut als Snack. Alternativ gibt es auch noch  empanandas (gefüllte, frittierte Teigtaschen mit Käse oder Reis und Fleisch) und Gebäcksorten wie almojabanas, pan de yuca oder buñuelos, die man – genauso wie alle anderen Gerichte – am besten einmal selbst probieren sollte, falls sich die Gelegenheit bietet.

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Empanadas

Unterwegs in Bogotá

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Bogotá ist keine einfache Stadt. Sie empfängt dich nicht mit offenen Armen und es gibt wohl niemanden, der nach einem kurzen touristischen Aufenthalt sagen mag, dass Bogotá nun zu seinen Lieblingsstädten gehört.
Als wir an Ostern in Medellín eine Fahrradstadtführung (mehr Infos dazu auf dem Blog von Annabell) gemacht haben, stellte sich zunächst der Guide vor und erzählte, dass er gebürtig aus Bogotá käme, aber schon seit 8 Jahren in Medellín lebte. Auf die Frage, wo es ihm besser gefalle, zögerte er: „ Bogotá ist… anders.“ Über diese Aussage konnte ich nur schmunzeln. Ja, Medellín, die Stadt des ewigen Frühlings, ist allein schon wegen des angenehmeren Klimas anders als das eher kühle Bogotá. Es gibt viele Dinge, die ich an Bogotá nicht mag: das verregnete Wetter, die Sicherheitsprobleme, den Verkehr, das Busfahren,… Solange ich überlege, werden mir immer noch weitere Dinge einfallen. Bogotá ist hässlich – oder besser gesagt: Bogotá hat ziemlich hässliche Ecken. Denn es gibt genauso gepflegte Parks, moderne Shoppingcenter, schicke Ausgehmeilen und andere schöne Orte. Und so würde ich niemals einfach sagen, dass ich Bogotá schrecklich finde. Bogotá ist schwierig, Bogotá ist anders. Aber Bogotá ist auch eine Stadt, die sich in den letzten acht Monaten in mein Herz geschlichen hat, die irgendwie auch „meine“ Stadt geworden ist.

Einer der wichtigsten Aspekte Bogotás, mit dem ich täglich konfrontiert werde, ist der Verkehr. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich in der Stadt zu bewegen und je mehr ich mich mit der Zeit mit den verschiedenen Verkehrsmitteln zurecht gefunden habe, desto mehr fühle ich mich auch zu Hause.

Mit dem Auto

Bogotá quillt über vor Autos, die die Straßen tagein tagaus bevölkern. Besonders zu den Stoßzeiten sind die Staus täglich vorprogrammiert. Deshalb gibt es die Pico y Placa Regelung. Abhängig vom Kennzeichen, das ein Auto besitzt, darf es sich unter der Woche nur an geraden bzw. ungeraden Tagen frei auf den Straßen innerhalb der Stadtgrenze bewegen. An den anderen Tagen ist es verboten während der Stoßzeiten Morgens und am späten Nachmittag zu fahren. Wer es sich leisten kann, hat deshalb zwei Autos in der Garage stehen, um unabhängig zu sein. Der Großteil der Bevölkerung muss an den Tagen, an denen ihr Auto Pico y Placa hat allerdings auf den öffentlichen Personennahverkehr ausweichen. Aber es ist auch nicht unüblich an den entsprechenden Tagen früher aufzustehen, um vor 6 Uhr am Arbeitsplatz anzukommen, und abends dann erst nach 19.30 Uhr wieder nach Hause aufzubrechen.

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Übrigens: Wer in Bogotá Auto fahren möchte, der sollte sich darauf bereit machen, dass es – mal abgesehen von den Wohngebieten – kaum Möglichkeiten zum Linksabbiegen gibt. Wer auf einer der großen Hauptstraßen fährt und nach links abfahren möchte, der muss ein oreja (Ohr) machen. Das bedeutet, dass drei Mal nacheinander rechts abgebogen wird.
Während viele Straßen im schlechten Zustand sind, gibt es aber auch einige große innerstädtische Straßen, die mit Brücken und bis zu fünf Spuren in eine Richtung fast schon autobahnmäßig ausgebaut sind. Was mir daran besonders gefällt, ist, dass es durch die Brücken weniger Ampeln gibt und der Verkehr so besser fließt.

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Schlaglöcher

Mit dem Motorrad

Neben den Autos befinden sich auf den Straßen auch sehr viele Motorräder. Für viele Kolumbianer, die es sich nicht leisten können, ein Auto anzuschaffen und zu unterhalten, ist das Motorrad die günstigere Alternative.
Leider passieren immer wieder Unfälle, wenn Autofahrer Motorräder übersehen – auch deshalb, weil sich die Motorradfahrer zwischen den Autos hindurchschlängeln.

Mit dem Taxi

Verglichen mit Deutschland ist es unglaublich günstig, in Kolumbien Taxi zu fahren. Der Mindestpreis für bis zu 2,5km liegt bei etwa 1,50€. Selten bezahlt man bei normalen Fahrten mehr als 8€. So ist das Taxi sicherlich nicht als Verkehrsmittel für jeden Tag geeignet, aber dennoch eine bezahlbare Alternative, um nachts nach Hause zu kommen oder für Strecken, auf denen es keine gute Busverbindung gibt.

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Mit dem Transmilenio

Der Transmilienio ist ein Bussystem, das in Bogotá eine S- /U-Bahn ersetzt. Den Bussen steht eine eigene Fahrspur zur Verfügung, sodass sie weitestgehend unabhängig vom weiteren Verkehr fahren können und damit das schnellste Fortbewegungsmittel sind. Auch halten die roten Transmileniobusse nicht am Straßenrand, sondern es gibt in der Straßenmitte eine eigens dafür eingerichtete Station.

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Transmileniostation Modelia auf der Straße Avenida El Dorado

Wer Transmilenio fahren möchte, braucht eine Scheckkarte, die mit Geld aufgeladen wird. Mit dieser Karte kann man das Drehkreuz passieren.

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Drehkreuze

Wer einmal im System drinnen ist, kann so lange und so weit fahren wie er möchte. Morgens, mittags und abends zu den Stoßzeiten (hora pico) kostet eine Fahrt etwa 70 Cent. In der hora valle (nachts und zwischen den Stoßzeiten) kostet die Fahrt nur gut 55 Cent. Tages- oder Monatskarten gibt es nicht.
Der Transmilenio fährt zwischen 4 Uhr und 23 Uhr.
Etwas das im Transmilenio sehr häufig passiert, ist, dass Verkäufer, Musiker oder Bettler zusteigen. Die Verkäufer verteilen im ganzen Abteil ihre Ware (Süßigkeiten, Erdnüsse oder Stifte) und preisen diese dann an. Danach sammeln sie die Ware wieder ein und wer sie behalten möchte, kann sie zu einem Preis, der unter dem Ladenpreis liegt, kaufen.

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Bei den Musikern handelt es sich meistens um Jugendliche, die über soziale Probleme rappen. Außerdem gibt es auch Menschen, die zusteigen und erzählen, warum sie in einer schwierigen ökonomischen Lage sind, um danach um monedas (Münzen) zu bitten.

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In der Station

Ein Problem des Transmilenio ist es, dass es sehr viele Schwarzfahrer gibt, die über die Drehkreuze springen oder es nutzen, dass die Glastüren meist offen stehen, und dann über die Fahrbahn rennen und ihr eigenes Leben gefährden, um in die Station zu kommen. Leider kommen neben den Schwarzfahrern so auch Diebe in die Transmilenios, sodass man besonders in den vollen Bussen gut auf seine Sachen aufpassen und Rucksäcke am besten vorm Körper tragen sollte.

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Voller Transmileniobus
Ein anderes Problem des Transmileniosystems ist, dass nicht alle Teile der Stadt gut angebunden sind und man für eigentlich kurze Strecken teilweise lange fahren muss, da erst eine Station angefahren werden muss, an der man umsteigen kann.

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Infoschild in einer Transmileniostation. Links ist der Liniennetzplan zu erkennen.

Ergänzt werden die roten Transmileniobusse durch grüne und orangene Zubringerbusse, die von einigen der Stationen aus los fahren.

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Rote Transmilenios

Außerdem gibt es noch die blauen SITP Busse (Sistema Integrado de Transporte Público – Integriertes System des öffentlichen Transportes), die so funktionieren, wie man es von Bussen in Deutschland kennt. Die Busse fahren auf der normalen Straße und halten an Haltestellen. Bezahlt wird mit der gleichen Karte wie im Transmilenio, denn in den Bussen gibt es an der vorderen Tür auch ein Drehkreuz, das passiert werden muss.

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Links im Bild der SITP-Bus

Mit dem Buseta

Neben dem komplexen Transmileniosystem gibt es außerdem busetas. Diese Busse gehören keinem integrierten System an, sondern es gibt einfach eine Vielzahl von Routen, die von verschiedenen Busunternehmen angeboten werden. Feste Haltestelle haben die Busse nicht.

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Durch Zuwinken vom Straßenrand oder Drücken des Halteknopfes im Bus hält der Busfahrer an. Die Routen, die gefahren werden, sind zwar schon fest, aber es gibt keinen Liniennetzplan, auf dem die Route ersichtlich wird. Wer buseta fahren möchte, der muss bei den vorbeifahrenden Bussen die Schilder lesen, die in der Vorderscheibe hängen und angeben welche Stadtviertel angefahren werden.

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Die genaue Route erfährt man aber nur durch Nachfragen oder Ausprobieren. Der Fahrtpreis von etwa 55 Cent wird direkt beim Busfahrer bezahlt. Viele der eingesetzten Busse haben ihre beste Zeit schon hinter sich.

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Fahrtgeld

Buseta– Erfahrung

Stell dir vor, du würdest in Kolumbien leben. Es ist ein ganz normaler Morgen und du musst zur Arbeit fahren. Dein Auto musst du heute leider stehen lassen, denn es hat Pico y Placa. Du entscheidest dich also, den Bus zu nehmen. Du gehst also aus dem Haus und bis zur nächsten größeren Straße. Ein paar Minuten lang beobachtest du den Verkehr und scannst in Sekundenbruchteilen die Schilder der entgegenkommenden Busse, auf denen die wichtigsten Punkte der Route aufgeführt sind. Schließlich kommt dein Bus und du winkst dem Busfahrer zu, um zu signalisieren, dass er anhalten soll. Der Bus stoppt, doch zu deinem Missfallen ist er mal wieder völlig überfüllt. Vorne steht schon bis zu Tür alles voll. Da hinten doch gerade jemand aussteigt wird ein Bruchteil eines Quadratmeters Platz frei, der deiner werden soll. Du steigst also hinten ein. Normalerweise bezahlt man direkt beim Busfahrer, doch das kannst du ja nun gar nicht. Deshalb gibst du dein Fahrtgeld einfach der nächsten Person und diese reicht es von Hand zu Hand weiter bis nach vorne zum Busfahrer. Nach einer kurzen Zeit drückt dir jemand dein Rückgeld in die Hand – es stimmt.
Mittlerweile hat sich der Bus ein bisschen geleert und du stehst nun im Mittelgang. Heute hast du Glück. Es handelt sich bei dem Bus nicht um das kleinste Modell und so kannst du stehen, ohne dir den Kopf an der Decke zu stoßen. Mit beiden Händen hältst du dich an den Stangen oder den Sitzen fest. Der Busfahrer bremst, beschleunigt, weicht einem Schlagloch aus. Sanft ist anders. Und jetzt fällt auch der Person, die auf dem Sitz sitzt neben dem du stehst, auf, dass du dich mit deiner Handtasche in der Hand kaum gut festhalten kannst. Sie lächelt dich nett an und bietet an, deine Tasche auf den Schoß zu nehmen.
Zwei Reihen vor dir wird ein Sitz frei. Drei Männer stehen neben dem nun freien Sitz. Einer schaut sich um und bietet der Frau, die hinter ihm steht an, dass sie sich doch hinsetzen könne. Dankend nimmt die Frau das Angebot an. Doch anstatt sich einfach hinzusetzen, presst sie ihren Rücken so an die Lehne, dass ihr Po den Sitz nicht berührt. Sobald sie das Gefühl hat, dass der Sitz keine Wärme der anderen Person mehr gespeichert hat, setzt sie sich entspannt hin. Da die Frau etwa 3cm größer ist als der Durchschnittskolumbianer, stoßen ihre Knie unangenehm an den Sitz vor ihr, weil wie in vielen Bussen die Sitzreihen sehr eng aneinander stehen.
Eigentlich hättest du auch gerne gesessen, doch der Bus biegt mal wieder ab und du weißt, dass du in dreihundert Metern schon aussteigen musst. Du kämpfst dich als bis zur hinteren Tür durch und drückst auf den Halteknopf. Der Bus stoppt, du gehst die Stufen hinab und schon bist du am Ziel angekommen.

Zu Fuß

Natürlich kann man sich auch in Bogotá zu Fuß bewegen. Beim Gehen sollte man jedoch gut auf seine Füße achten, da viele Gehwege von Schlaglöchern und anderen Stolpersteinen übersät sind.

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Auch beim Überqueren der Straße muss man gut aufpassen, da man oftmals von Autofahrern nicht respektiert wird.

Mit dem Fahrrad

Den Preis als fahrradfreundlichste Stadt gewinnt Bogotá sicher nicht, dennoch ist Radfahren hier ein großes Thema. Die wichtigsten Straßen haben mittlerweile eine Radweg, die ciclo ruta, der von vielen Menschen auch im Alltag genutzt wird, um z. B. zur Arbeit zu fahren.

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Ciclo rutas

An Sonntagen gibt es außerdem die ciclo vía. Dabei handelt es sich um Straßen, die komplett gesperrt sind für den normalen Verkehr. Stattdessen bevölkern Radfahrer, Jogger, Skater und Spaziergänge die Straßen.

Früchte

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Eins der Dinge, die mir am Kolumbien am besten gefällt, ist die große Auswahl an (für mich) exotischen Früchten. Da es in Kolumbien üblich ist, zum Essen einen frischen Fruchtsaft zu trinken, werden viele der Früchte zur Saftherstellung genutzt. Dafür werden die Früchte gegebenenfalls geschält, in kleine Stücke geschnitten und dann mit dem Mixer zu Saft verarbeitet. Je nach Geschmack wird der Saft auf der Basis von Wasser oder Milch gemacht und mit Zucker abgeschmeckt. Vor dem Trinken wird der Saft meistens durch ein Sieb gegossen, um Kerne und Stückchen herauszufiltern.

In der Fotogalerie (sie startet durch Klicken auf eins der Bilder) möchte ich Früchte vorstellen, die mir bevor ich nach Kolumbien gekommen bin, unbekannt waren. Einige von ihnen sind in Kolumbien so geläufig wie in Deutschland der Apfel, andere gibt es nur in gut sortierten Läden und sind weitgehend unbekannt.

Den Apfel gibt es in Kolumbien übrigens auch. Genauso wie Birne, Banane, Erdbeere, eine Brombeerart (Mora), Mango, verschiedene Melonen, Ananas, Kiwi, Orangen, Limetten, Kokosnüsse, Pfirsich, etc.